Freist.Flaschenhals Elsleinsage E. Nikutowski Keramikkunst Pfalzgrafenstein

Wahrheit und Wunschdenken
über die Geschichte des 

"Elslein von Kaub"

Im Jahre 1504 war es, als sich die Tochter eines Geschützgießermeisters in den Gesellen des Meisters verliebt hatte und deswegen von dem gestrengen Vater des Hauses verwiesen wurde. Auch der Geselle zog in die Welt hinaus und kehrte als Meister zurück, gerade in der Zeit, als Kaub belagert wurde und es in der Stadt an Kanonen mangelte, da der alte Meister den rechten Guss nicht verstand. Hier sprang nun der ehemalige Geselle ein und versöhnte so den Meister.

Die Tochter des Meisters aber, mit Namen Else Welser, hatte erfahren, dass ihr Geliebter nach Kaub zurückgekehrt war, und so drängte es auch sie wieder in ihre Heimatstadt.

Am jenseitigen Ufers des Rheines angekommen, stieß sie auf die kurpfälzischen Entsatztruppen unter Hans Landschad von Steinach, die Kaub von der Belagerung befreien sollten, aber nicht den rechten Weg durch die gefährlichen Klippen des Rheines fanden. Sie ließ sich als Soldat verkleidet anwerben und führte die Truppen des Nachts über den Rhein und befreite so ihre Vaterstadt.

Zum Andenken an dieses Mädchen wählt man in der Stadt Kaub jedes Jahr zum Winzerfest ein " Elslein von Kaub".

Einige Autoren von Dokumentationen bzw. Sachbüchern haben diese Version als Sage oder Legende deklariert, welche durch mündliche Überlieferung über die Jahrhunderte weitergegeben worden sei.

Was aber sagt die Wissenschaft zur Person des Elslein von Kaub?

In den frühen siebziger Jahren unseres Jahrhunderts befassten sich namhafte Historiker, an ihrer Spitze Regierungsarchivdirektor Dr. Wolf - Heino Struck vom hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden bei einem Symposium auf dem Pfalzgrafenstein mit diesem Thema. Diese Wissenschaftler, an einem objektiven Quellenstudium orientiert, fanden die Elslein- Geschichte wirklich nett, aber in keiner Weise historisch fundiert! In keiner alten Urkunde und keiner alten Akte wird jene Else erwähnt, ganz zu schweigen von den Kirchenbüchern, die für die evangelische Gemeinde erst 1582/83 und für die katholischen noch später 1689 bzw. 1708 beginnen.

Der Wiesbadener Stadtarchivar Dr. Christian Spielmann ( 1861- 1917) ist vielmehr der "Vater" des Elslein von Kaub. Er war es der um die Jahrhundertwende für eine Reihe nassauischer Gemeinden und Städte historische Theaterstücke schrieb, und aus seiner Feder stammt auch das auf die Blücherstadt und ihre Geschichte bezogene belletristische Werk, die Erzählung " Elslein von Kaub" , die u.a. auch als stenografischer Text (Gabelsberger Stenografie) erschienen ist, und aus der später vom gleichen Autor ein "Schauspiel" in sieben Vorgängen geschaffen wurde. In der Spielmann - Bibliothek, die sich seit 1925 in Diez befindet, werden sogar noch die dazugehörigen Original- Manuskripte aufbewahrt.

Historie oder Legende - sie greifen heutzutage ineinander über und schmälern in keiner Weise die Publizität des Elslein von Kaub. Wahr dagegen ist die Belagerung der Stadt Anno 1504, sie dauerte vom 18. August bis 25. September.

Die rechts neben dem Eingang angeschlagenen Holztafel gibt einen kurzen Abriss über die Geschichte Kaubs.