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Das Blüchermuseum der Stadt Kaub

Kurzinfos:

Blüchermuseum des Stadt Kaub
Metzgerstraße 6
56349 Kaub
Tel.: 06774/400 

Öffnungszeiten: 
April-Oktober, Dienstag-Sonntag 11-16 Uhr, November-März, Dienstag-Sonntag 14-17 Uhr

Wegen umfangreichen Sanierungs-und Restaurierungarbeiten voraussichtlich bis Septermber 2011 geschlossen!!!!!

Es war das Hauptquartier Blüchers beim Rheinübergang 1813/14.

Es bietet: Einen interessanten Ausflug in ein bedeutsames Kapitel preußisch-russisch-europäischer Geschichte. Eine Militaria-Sammlung aus der Zeit der Freiheitskriege von europäischem Rang.

Ein kulturhistorisch interessantes Stück gehobener bürgerlicher Wohnkultur um 1800. Ein Besuch lohnt sich!

Das Blüchermuseum - ein historisches und künstlerisches Kleinod

Kurze Einführung in die Geschichte des Museums

Die praktisch unveränderten Wohnräume Blüchers sind 1913 auf Anregung von Adolf Teschemacher, einem begeisterten Verehrer Blüchers, zum Blüchermuseum umgestaltet worden. Die Museumsgegenstände setzten sich damals wie folgt zusammen:

Geschenke von Adolf Teschemacher, die bereits 1913 in das Eigentum der Stadt Kaub übergingen.

Ankauf durch die Stadt Kaub.

Eigentum des damaligen Hauseigentümers, Herr Frosch, an der Ausstattung und Einrichtung der Räume.

Schließlich sind noch kurz vor dem 1.Weltkrieg auf direkte Einwirkung Kaiser Wilhelms II., von der königl. Verwaltung des Berliner Zeughauses eine Reihe wertvoller Gegenstände dem Blüchermuseum überlassen worden.

Das Museum wurde jahrzehntelang von der Familie Frosch betreut. Nach dem Tode von Marie Frosch im Jahre 1958, übernahm die Stadt Kaub, die bereits 1955 die im Eigentum der Familie Frosch stehende Ausstattung und Einrichtung erworben hatte, das Gebäude. Nachdem das Museum einige Jahre geschlossen war, wird es seit Mai 1977 von Bruno Dreier geleitet. Im Frühjahr 1982 wurde das Museum gründlich renoviert und auf 6 Ausstellungsräume und 1 Arbeitsraum für den Museumsleiter erweitert.

Im Juli 1955 wurde das Museum neu gestaltet. Die beiden Wohnräume Blüchers wurden als solche - von den militärischen Exponaten befreit - wieder hergestellt und zeigen jetzt ein unverfälschtes, interessantes Stück gehobener bürgerlicher Wohnkultur um 1800. Gebäude, Museum, Ausstattung, Einrichtung und Sammlung sind seit 1981 unter Denkmalschutz gestellt. Das Gebäude wurde später zusätzlich unter den Schutz der Vereinten Nationen gestellt.

Der geschichtliche Hintergrund

Mit seiner künstlerisch gestalteten Einrichtung und seiner Sammlung mannigfaltiger militärischer, künstlerischer und sonstiger zeitgenössischer Erinnerungsstücke versetzt uns das Museum, das einzige seiner Art, in eine große Zeit zurück,  nämlich in das Schicksalsjahr 1813. 1813 war das Jahr der Befreiung vom napoleonischen Joch. Aus dem berechtigten Hass gegen napoleonische Unterdrückung entstanden und an dem nationalen Gedankengut Herders, Fichtes und Arndts entzündet, forderte die bürgerlich- patriotische Bewegung die Unabhängigkeit und Einheit nicht nur Preußens, sondern ganz Deutschlands, wie es auch mehr oder weniger scheinheilig von den Fürsten versprochen wurde. 1813 war das Geburtsjahr des deutschen Nationalgefühls, das trotz aller Rückschläge in der Nachkriegszeit Keim und Grundlage für die bürgerlich-demokratische Revolution 1848 gewesen ist.

1813 war das Jahr der allgemeinen Volksbewaffnung. Nicht mehr Söldnertruppen mussten - oft mit Stockschlägen - ins Gefecht getrieben werden, sondern Bauern und Kleinbürger, aus der Erbuntertänigkeit und dem Zunftzwang durch die Reformen des Freiherrn vom und zum Stein befreit, zogen in den Kampf. Ihren sichtbarsten Ausdruck erhielt die allgemeine Volksbewaffnung durch die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht, durch die Landwehr - eine Schöpfung Scharnhorsts - und die Überwindung der bisher als unüberbrückbar angesehenen Kluft zwischen Bürgertum und Militär in Form der Freikorps und der freiwilligen Jäger bei allen Truppenteilen. Schließlich war 1813 das Jahr der preußisch-russischen Waffenbrüderschaft, wie sie am sinnfälligsten in der von Blücher befehligten Schlesischen Armee ihren Ausdruck fand, der Armee, die Neujahr 1813/14 begann, mit ihrem Hauptteil über den Rhein zu setzen. Dieser historische Akt von europäischer Bedeutung war die Krönung des Sieges- und Schicksalsjahres 1813, in dem Napoleon endgültig Deutschland verlassen musste und das linke Rheingebiet wieder deutsch wurde.

Erläuterung der Sammlung

Das Museumsgebäude, das ehem. Gasthaus "Zur Stadt Mannheim", ein schöner, 1780 errichteter Barockbau, war Blüchers Hauptquartier. In der ersten Neujahrswoche 1814 ging Blücher als preußischer Feldmarschall und Oberkommandierender der Schlesischen Armee mit deren Maß, nämlich 50.000 Soldaten, 15.000 Pferden und 182 Geschützen auf einer russischen Pontonbrücke
- mit der "Pfalz" als Stützpunkt - über den Rhein. Dieser Rheinübergang Blüchers ist das Hauptthema des Museums, eines geschichtlichen und künstlerischen Kleinods.

In den Museumsräumen überrascht der für ein Bürgerhaus ganz ungewöhnliche Luxus im strengen Empirestil der napoleonischen Epoche. Leinwandtapeten (Rokokozeit um 1780) mit Ölgemälden, die Geschichte der Brüder Jakob und Esau aus dem Alten Testament darstellend, Papiertapeten aus der Zeit um 1800 mit künstlerisch sehr feinen Aquarellen, ein alter Flügel aus dem Jahr 1790, ein Klaviercord aus 1786 mit dem handgeschriebenen nassauischen usungischen Choralbuch aus dem Jahre 1805, alte Backensessel (1753), prächtige Flügeltüren aus Nussbaum mit schönen Messingbeschlägen aus den 80er Jahren des 18. Jahrhunderts, große Kronleuchter aus damaliger Zeit, Geschirr, Gläser und sonstige Utensilien aus dem Gasthaus "Stadt Mannheim", schöne Kachelöfen zeugen vom einstigen Wohlstand und Kunstsinn der hausbesitzenden Weinhandelsfirma und -familie Kilp.

An Kulturgeschichtlichem, unmittelbar aus den Freiheitskriegen, sind vor allem das berühmt "Berliner Eisen" ("Gold gab ich für Eisen") sowie die in Kaub stehengebliebenen Windlichter des Blücherschen Hauptquartiers hervorzuheben. Auch die Büsten des preußischen Königspaars, Friedrich Wilhelm III. Und Königin Luise, gehören hierzu. Die Büste der Königin stammt von Christian Daniel Rauch.

An Blücher persönlich erinnern seine Tabakdose, ein rechter Handschuh, eine Schreibmappe, einige Briefe von ihm, seine Kriegskasse sowie eine Empire-Stutzuhr aus seinem Schloss Krieblowitz, das in Stichen und Fotos gezeigt wird. Blüchers Regiment, das ehemalige Bellinsche Husaren-Regiment mit dem Totengerippe auf der Pelzmütze, wird mit einigen Illustrationen auf einer Schautafel dargestellt, desgleichen das zum Yorckschen Korps gehörende und bei Kaub über den Rhein gegangene 2. Leibhusaren-Regiment. Ansprechende Porträts, die zum Teil 1814 in London nach dem Leben gezeichnet sind, bringen dem Besucher den legendären Reiterführer, den kühnen Draufgänger, schließlich den Feldherren aber auch den Menschen Blücher näher.

Gneisenau, Blüchers Generalstabschef, ist mit einer Büste, der einzigen beweglichen noch in Deutschland, und Originalbriefen vertreten; Yorck, der kommandierende General des 1. Preußischen Armeekorps, mit dem er als erster den Rhein bei Kaub überschritt, mit einigen Porträts und einem Originalbrief. Eine kurze Biographie des russischen Korpsführers, General Langeron, bringt die Schautafel "Die Russen in Kaub".

Die Schlesische Armee, das preußische Korps Yorck, das russische Korps Langeron, überhaupt das russische Heer, vor allem aber auch die Kosaken, werden durch Schautafeln, Gliederungsübersichten, Karten und Uniformtafeln dem Betrachter nähergebracht, die Kosaken, die mit 6 Regimentern in Kaub vertreten waren, auch mit ihrer typischen Bewaffnung. Dabei geht es nicht nur um das Glück des Siegens, sondern vor allem und die bittere Realität des Jahres 1813, um die Sorgen der Heerführer im nasskalten Herbst 1813, um die Leiden und Nöte des einfachen Soldaten und auch der Bevölkerung um und in Kaub, von denen fast unmenschliche Anstrengungen gefordert wurden. Ein Zinnfiguren-Diorama zeigt die erschütternd bedrückende Versorgung der Verwundeten in der preußischen Armee im Herbst 1813.

Die Militaria-Sammlung des Museums vermittelt einen repräsentativen Überblick über die Uniformierung, Bewaffnung und Ausrüstung der Soldaten in napoleonischer Zeit, insbesondere der Freiheitskriege. Die Ausstellung des einzigen bekannten preußischen Infanterie-Offiziers-Rock 1808/14, preußischer und französischer Tschakos, Offiziershüten, von Signalinstrumenten (Horn, Fanfare, Trommel), von Orden und Ehrenzeichen (darunter das Eiserne Kreuz 1813 am Kämpfer- und Nichtkämpferband) wird ergänzt durch eine Feuerwaffensammlung von Rang, z. B. von altpreußischen Jägerbüchsen. Blankwaffen der Kavallerie, der Offiziere und der Infanterie, Kürasse. Lanzen, Kanonenkugeln und Artilleriegerät, ein ungarischer Bocksattel, Säbel- und Patronentaschen und vieles andere mehr vervollständigen die Sammlung.

Schließlich ist das Hauptthema, Blüchers Rheinübergang, erschöpfend in Form von zeitgenössischen Erinnerungsstücken, Bildern und Schautafeln behandelt, wobei nicht nur die oft widersprüchlichen Aussagen in der herkömmlichen Literatur und der Augenzeugen, sondern eigene, jahrelange, ernsthaft betriebene Forschung zugrundegelegt sind. Ein großes Zinnfiguren-Diorama bringt dieses historische Ereignis dem Besucher besonders nahe. Darüber hinaus noch ein attraktives Diorama "Blücher und Wellington am Abend bei Waterloo (Belle Alliance) am 18. Juni 1815".

So bietet das Blüchermuseum mit seinen historischen Räumen und Einrichtungsgegenständen, seiner vielseitigen Sammlung und einem interessanten, den Erfordernissen der Gegenwart entsprechendem Anschauungsmaterial alle Voraussetzungen, um sich von dem so entscheidenden historischen Geschehen 1813 und der Freiheitskriege überhaupt eine optische Vorstellung zu machen.

Bruno Dreier   
(Museumsleiter)

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